| Kurzbiographie:
Philipp Eduard Anton Lenard
* 7. Juni 1862
Preßburg, † 20. Mai 1947 Messelhausen
Nach dem Studium der Naturwissenschaften in Budapest
und Wien sowie der Physik in Berlin und
Heidelberg, promovierte Lenard 1886 in Heidelberg. 1890 ging er als
Assistent nach Breslau und ein Jahr später nach Bonn zu Heinrich Hertz (1857-1894), wo er
sich auch
habilitierte. Er wechselte dann nach Aachen, Heidelberg und Kiel. 1907 wieder in Heidelberg wurde er
Direktor des dortigen Physikalischen Instituts. Das von ihm ins Leben
gerufene Radiologische Institut an der Universität Heidelberg leitete er
ab 1909. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1931 blieb er an der
Universität Heidelberg. Nach dem Krieg zog Lenard nach Messelhausen
(Baden).
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1 Philipp Lenard,
um 1930 |
Einige
seiner grundlegenden Arbeiten befassten sich mit der Phosphoreszenz und
Experimenten zum lichtelektrischen Effekt (theoretische Deutung durch
Albert Einstein, 1905). Des weiteren entwickelte er ein Atommodell (Dynamidenmodell),
das als Vorläufer des Atommodells von Ernest Rutherford gilt. Ferner arbeitete
er auf
dem Gebiet der Leitfähigkeit von Metallen sowie der
Wasserfallelektrizität. Für das Jahr 1905 erhielt er "... für
seine Arbeiten über die Kathodenstrahlen ..." den Nobelpreis für
Physik. Bei diesen Arbeiten untersuchte er u.a. die elektrostatischen
Eigenschaften von Kathodenstrahlen sowie deren magnetische Ablenkung.
| Mit Beginn der 20er Jahre wurde er einer der Hauptgegner von Einsteins
Relativitätstheorien. Diese Ablehnung, begründet auf einem ausgeprägten
Nationalismus in Verbindung mit einem starken Antisemitismus, verstärkte
sich mit der Zeit und fand ihren Höhepunkt nach der nationalsozialistischen
Machtergreifung (1933). Einer seiner Gefolgsleute war der
Physiker und Nobelpreisträger Johannes Stark (1874-1957).
In Lenards vierbändigem
Werk von 1936/37, "Deutsche Physik", geschrieben auf der Basis der
klassischen Physik des 19. Jahrhunderts und mit der Betonung auf der
Experimentalphysik, wird die theoretische, d.h. Jüdische Physik, fast völlig
abgelehnt.
Philipp Lenard: Deutsche
Physik
Band 1: Einleitung und Mechanik
Band 2: Akustik und Wärmelehre
Band 3: Optik, Elektrostatik und Anfänge der
Elektrodynamik
Band 4: Magnetismus, Elektrodynamik und Anfänge von
Weiterem

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Umschlag von Band 2 des vierbändigen Lehrbuchs "Deutsche
Physik" von Philipp Lenard, 1936/1937 |
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Vorderseite der Danksagungskarte Philipp Lenards an den
Physiker
Ernst Gehrcke (1878-1960),
1937 |
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Um den Ehrungen und Gratulanten anlässlich seines 75.
Geburtstages am 7. Juni 1937 zu entgehen, hatte sich
Philipp Lenard nach Jugenheim an der Bergstraße zurückgezogen.
Dennoch kamen z. B. die Heidelberger Studentenschaft
mit ihrem Rektor des Abends und brachten ihm den Fackelzug den
er 1931, bei seinem Rücktritt vom Lehramt abgelehnt
hatte.
Lenard schreibt in seiner Danksagungskarte an Gehrcke:
Vorderseite
"Lieber
Gehrcke!
Für alle freundlichen Wünsche zu meinem
75. Geburtstag sage ich herzlichsten Dank.
Meiner
Zurückziehung nach Jugenheim an der Bergstrasse war nicht
gelungen, und der Wünsche sind so viele gekommen, dass
ich Ihnen für diesmal diesen kurzen Gruss von uns
Allen hier sende. Unsere alten Kämpfe haben doch den
Sieg davongetragen; nur wenige Verbohrte gruppieren sich
noch um...
Rückseite
... den Hauptmann v. Köpenick. Die Jugend ist sich
jedenfalls schon klar über Deutsche Physik und Jüdische
Physik; ich habe darüber Telegramme u. Briefe von 22
Hochschulen bekommen.
Heil
Hitler!
Ihr
P. Lenard." |
Bildnachweis:
Mit freundlicher Genehmigung der
Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek Kiel: Abb. 1
Hans-Josef Küpper, Köln: Abb. 2, 3
Copyright ©
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