Kurzbiographie Walther Nernst:

"Von meinem Chef in das Grenzgebiet der Physik und Chemie, die physikalische Chemie, eingeführt,
habe ich mich in meinen Arbeiten fortan auf diesem Gebiete bewegt." 

Walther Nernst über seine Assistentenstelle bei Professor Wilhelm Ostwald an der Universität Leipzig, 1887

Kurzbiographie: Walther Nernst

* 25. Juni 1864 Briesen, Westpreußen, † 18. November 1941 Gut Oberzibelle bei Muskau, Oberlausitz

Nach dem Studium der Physik, Chemie und Mathematik in Zürich, Berlin, Graz und Würzburg promovierte Nernst 1887 bei Friedrich Kohlrausch (1840-1910) in Würzburg "über die Einwirkung des Magnetismus auf strömende Elektricität und Wärme" (Ettingshausen-Nernst-Effekt). Auf Wunsch von Wilhelm Ostwald (1853-1932) wechselte er im Oktober 1887 als Assistent für Physik an die Universität Leipzig. 1889 habilitierte er sich bei Wilhelm Ostwald mit der Arbeit "Die elektromotorische Wirksamkeit der Ionen". Es folgten weitere Assistentenstellen in Heidelberg und Göttingen.

1891 begann in Göttingen seine Laufbahn als Hochschullehrer. Er erhielt die Ernennung zum Extraordinarius für physikalische Chemie. Im September 1892 heiratete er Emma Lohmeyer. 1894 wurde er ordentlicher Professor für physikalische Chemie in Göttingen.

Nernst, der Mitbegründer der modernen physikalischen Chemie, arbeitete bahnbrechend auf dem Gebiet der Elektro- und Wärmechemie. U.a. formulierte er 1890 den Nernstschen Verteilungssatz, erfand 1897 die nach ihm benannte Nernst-Lampe (eine Vorläuferin unserer heutigen Glühbirne) und entdeckte 1899 das Nernstsche Reizschwellengesetz.

1905 ging er als Ordinarius für physikalische Chemie an die Berliner Universität. 1906 gelang ihm dort seine wohl größte Entdeckung, das Nernstsche Wärmetheorem, besser bekannt als der 3. Hauptsatz der Thermodynamik. "Als Anerkennung für seine thermochemischen Arbeiten" erhielt Nernst für das Jahr 1920 den Nobelpreis für Chemie.

Während des Ersten Weltkrieges stellte Nernst seine Arbeitskraft dem Militär zur Verfügung. In den Jahren 1921 und 1922 war er Rektor der Berliner Universität und von 1922 bis 1924 Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, ebenfalls in Berlin. In der Zeit von 1924 bis zu seiner Emeritierung (1933) war Nernst Nachfolger von Heinrich Rubens (1865-1922) auf dem Lehrstuhl  für Experimentalphysik an der Berliner Universität.

Neben seinen Leistungen als Wissenschaftler sollen an dieser Stelle auch zwei seiner Leistungen als Wissenschaftsorganisator Erwähnung finden. Nernst war es, der den belgischen Chemiker und Industriellen Ernest Solvay (1838-1922) dazu veranlasste, sporadisch Konferenzen (Solvay-Kongress) einzuberufen, auf denen die führenden europäischen Physiker die Möglichkeit hatten, ihre aktuellen Theorien zu diskutieren. Der erste Kongress fand 1911 statt.

Auch war es nicht zuletzt das Verdienst von Walther Nernst, der, neben Max Planck (1858-1947) und anderen, Albert Einstein (1879-1955) im Jahr 1914 nach Berlin holte.

Nernst Signatur, 1912


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