Einstein und die Königliche Akademie der Wissenschaften in Amsterdam:

"Ich nehme diese Wahl dankbar an ..."

Einstein in einem Brief an die Königliche Akademie der Wissenschaften in Amsterdam, 24. Mai 1920
 

EINSTEIN UND DIE KÖNIGLICHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN IN AMSTERDAM

Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen

Eine kurze Geschichte der Akademie

Die Königliche Akademie der Wissenschaften der Niederlande wurde am 4. Mai 1808 in Amsterdam während der französischen Besatzungszeit durch Louis Napoléon Bonaparte (1778-1846), König von Holland, gegründet. Die Akademie wurde im Laufe der Jahre mehrmals umbenannt. 1938 erhielt sie ihren heutigen Namen. Sie ist eingeteilt in zwei Klassen: die Klasse für Naturwissenschaften und die Klasse für Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Mitgliedschaft setzt sich zusammen aus Mitgliedern, korrespondierenden- und auswärtigen Mitgliedern. Die Akademie verleiht heute mehrere wissenschaftliche Preise, so z. B. die Lorentz-Medaille und den Christiaan Huygens Wissenschaftspreis. Eine besondere Auszeichnung der Akademie ist die für das Lebenswerk, die Akademieprofessur.

Zu den Mitgliedern gehörten auch die Physiker und Nobelpreisträger Hendrik Antoon Lorentz (1853-1928) und Pieter Zeeman (1865-1943). Beide erhielten 1902 gemeinsam den Physik-Nobelpreis "... als Anerkennung des außerordentlichen Verdienstes, das sie sich durch ihre Untersuchungen über den Einfluss des Magnetismus auf die Strahlungsphänomene erworben haben."
Über den von Einstein verehrten holländischen Physiker Lorentz schreibt er am 13. November 1911 aus Prag in einem Brief an Heinrich Zangger, "... H. A. Lorentz ist ein Wunder von Intelligenz und feinem Takt. Ein lebendiges Kunstwerk! Er ist nach meiner Meinung immer noch der intelligenteste unter den anwesenden Theoretikern gewesen."

Einige bekannte Namen von korrespondierenden bzw. auswärtigen Mitgliedern der Akademie aus früheren Zeiten sollen hier in der chronologischen Reihenfolge ihrer Mitgliedschaft genannt werden:
die beiden korrespondierenden Mitglieder Ludwig van Beethoven und Alexander von Humboldt sowie die auswärtigen Mitglieder Carl Friedrich Gauß, Charles Darwin, Ludwig Boltzmann, Marie Curie, Niels Bohr, Max Planck und Werner Heisenberg - um nur einige zu nennen.

Am 19. Mai 1920 wurde dann auch Albert Einstein als auswärtiges Mitglied in die Akademie aufgenommen.

Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen, www.knaw.nl  Externer Link


Albert Einstein und die Königliche Akademie der Wissenschaften in Amsterdam

Am 27. März 1920 wurden in einer Sitzung der Akademie dreizehn Kandidaten für neun offene Stellen als auswärtige Mitglieder für die naturwissenschaftliche Klasse der Akademie vorgeschlagen. Am 23. April 1920 fanden dazu fünf Wahlgänge statt. Einstein wurde bereits im ersten Wahlgang gewählt. In einem Brief des Bildungsministeriums vom 18. Mai 1920 wurde der Sekretär der Akademie über den Wahlausgang informiert. Dieser wiederum setzte dann die Kandidaten über ihre Wahl in Kenntnis.

Am 19. Mai 1920 wurde Albert Einstein durch die Unterschrift von Königin Wilhelmina (1880-1962) auf der Ernennungsurkunde zum auswärtigen Mitglied in der Abteilung Physik der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam gewählt. Der Sekretär der Akademie, Pieter Zeemann, teilte dies Einstein am 21. Mai schriftlich mit. Einstein muss aber schon vorher darüber informiert gewesen sein, da er bereits am 20. Mai in einem Brief seiner Frau Elsa mitteilte: "... Ausserdem muss ich am 29. noch in der Akademie in Amsterdam sein, wo ich zum ausländischen Mitglied ernannt worden bin."

Einstein stimmte der Wahl zu. In einem Brief an den Sekretär schrieb Einstein:

                                                                                                                                              "24. Mai 1920                

Hoch geehrter Herr Secretär,

   In Ihrem Schreiben vom 21. Mai haben Sir mir mitgeteilt, dass Ihre Akademie beschlossen hat, mich als Mitglied aufzunehmen. Ich nehme diese Wahl dankbar an und schätze mich glücklich, diesem Kreise von Forschern anzugehören, mit dessen fachgenössischen Mitgliedern mich seit vielen Jahren eifrige Zusammenarbeit, alte Freundschaft und Gefühle hoher Verehrung verbinden.
   Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ganz ergebener
                                                                                            A. Einstein"

_________________________________

Am 27. Mai 1920 schrieb Hendrik Antoon Lorentz an Einstein:

                                                                                                                              "Haarlem, 27. Mai 1920

Lieber Kollege,

Ich muss Ihnen doch einmal sagen - und hätte es schon früher tun sollen - wie herzlich ich mich darüber freue, dass Sie jetzt als auswärtiges Mitglied zu unserer Akademie der Wissenschaften gehören. Sie können versichert sein, dass alle Mitglieder diese Freude teilen und Ihre Wahl als etwas selbstverständliches betrachtet haben. Ich hoffe, dass wir Sie recht oft in den Sitzungen sehen werden. ... Mit herzlichen Grüssen, und in der Hoffnung, Sie übermorgen zu sehen treulich Ihr

                                                                                         H. A. Lorentz"

Die Hoffnung von Lorentz sollte sich erfüllen. Am Samstag den 29. Mai 1920, wurde Albert Einstein während einer Sitzung der Akademie offiziell als auswärtiges Mitglied vorgestellt.

 

Kontakte zur Akademie sowie zu einzelnen Mitgliedern pflegte Einstein noch weit über seine Ernennung zum auswärtigen Mitglied hinaus. Seine Mitgliedschaft in der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam endete erst mit seinem Tod am 18. April 1955.
 

Literaturnachweis:

   
Hrsg. Martin J. Klein, A. J. Kox, Robert Schulmann The Collected Papers of Albert Einstein, Volume 5 Princeton 1993
Hrsg. Diana Kormos Buchwald, Tilman Sauer, Ze'ev Rosenkranz, József Illy The Collected Papers of Albert Einstein, Volume 10 Princeton 2006
A. D. Fokker Levensbericht A. Einstein, in Jaarboek, 1954-1955, Amsterdam, pp. 253-261 Amsterdam 1954/1955
Werner Martin Verzeichnis der Nobelpreisträger 1901-1987 München 1988
     
 

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